Die moderne Geld-Oper (10/2008)

Staunend erleben wir, wie konservative Politiker, die über Jahrzehnte alles und vor allem die Gewinne privatisierten, nun mit großem Engagement Kernforderungen von Kommunisten umsetzen und große Banken verstaatlichen. Täglich kommen neue hinzu, darunter so gewaltige Institute wie die Schweizer UBS, gegen die die Deutsche Bank ein kleiner Fisch ist. Verhalten sich die Politiker dabei nun vor allem staatsmännisch und verantwortungsbewusst, wie sie uns ständig bedeutungsschwanger weis machen wollen? Oder ist es nicht doch so, dass sie im ganz großen Stil mit Steuergeldern die Spielschulden von wenig- bis unverantwortlichen Investment-Bankern sanieren?

Staunend lesen wir in der Zeitung, dass die Manager der belgischen Dexia-Bank, die diese so vor die Wand fuhren, dass die belgischen Steuerzahler sie mit einem Milliarden-Kredit retten durften, ihre Rettung gehörig feierten. Auf der 150 000 Euro teuren Party im mondänen Hotel de Paris im Fürstentum Monaco floss der Champagner in Strömen zu Trinksprüchen wie: „Auf alle, die ihr Geld verloren haben!“

„Kredit“ kommt von glauben, wer aber kann denen – nach solchen und anderen Taktlosigkeiten, die sie zur Garnierung ihrer Unfähigkeit bieten, noch glauben? Den Bankern wie den Politikern, die mit ihnen verblüffend gut zusammen spielen oder ihnen doch zumindest in die Hände spielen? Was für ein Spiel ist das überhaupt, das da (mit uns) gespielt wird? Und wieso spielt der Staat in Gestalt unserer Politiker da mit? Wieso werden die Verantwortlichen für die Katastrophen nicht mal gesucht, gestellt und zur Verantwortung gezogen? Nicht dass wir ihnen Gefängnis wünschen, aber vielleicht einmal richtige Arbeit, die auch anderen Nutzen bringt.

Kommt der Ausdruck Gemeinwesen für Staat vielleicht doch von gemein? Lieschen Müller und Otto-Normal-Verbraucher haben ja ihre schlechten Erfahrungen mit den Stellen des Staates, wenn es um Schulden geht. Sie kennen die harte und oft gnadenlose Linie und jetzt erleben wir eine verblüffend sanften Umgang mit unfähigen Gierhälsen und gierigen Spitzenverdienern, die sich in guten Zeiten skrupellos selbst bedient und ihre Taschen bis weit über die Peinlichkeitsgrenzen vollgestopft haben.

Man fühlt sich langsam auch wieder an einen anderen Kommunisten erinnert, Bert Brecht, der einmal gesagt haben soll, was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer solchen?

Inzwischen haben die Einbrüche der Banken die Einbrüche in Banken längst aus den Schlagzeilen verdrängt. Was mögen sich Bert Brecht und Karl Marx wohl so bei ihren späten Triumphen denken, falls sich ihre Seelen noch um solche Dinge kümmern sollten?  

Wie krank dieses System ist, habe ich vor Jahren in dem Buch „Woran krankt die Welt“ dargestellt. Als ich damals schrieb, wer so viele Menschen wie in der Stadt Salzburg leben, in zwei Türmen unterbringt und eine Arbeit machen lässt, die nur ganz wenigen nützt und ganz vielen schadet, müsse sich nicht wundern, wenn das einmal schief ginge, ist mir das sehr übel genommen worden. Besonders natürlich als wenige Monate später der 11. September die beiden Türme ereilte. 3000 Geldmanager sind an diesem schrecklichen Tag von uns gegangen, deutlich weniger als täglich Kinder verhungern an den Folgen einer Wirtschaftspolitik, die Geldspekulanten und Superreichen nützt und den Kindern dieser Welt schadet. 

Und wo sind wir heute? Der 11. September hat mit dem Terrorthema noch einmal abgelenkt von unseren zentralen Problemen. Ein völlig aus den Fugen geratenes Geld- und Wirtschaftssystem, die die schlechtesten Seiten der Menschen belohnen und folglich fördern, gehören wohl dazu.

Nach dem Gesetz der Polarität muss aber aller Schrecken auch gute Seiten haben. So könnten wir aus dieser Misere die Chance machen, Positionen, die jetzt wie faule Früchte in Staatshand fallen, nie mehr in die Hände privater Spekulanten und Gierhälse zu legen. Den sich noch am freien Markt einschlägig Betätigenden könnten die Staaten bei dieser Gelegenheit Grenzen setzen und ihrer Gier Barrieren. An diesem vielleicht entscheidenden Punkt ließe sich eine andere menschlichere Welt bauen auf einem Finanz- und Wirtschaftssystem, das Spekulation nicht in diesem Ausmaß fördert, sondern eindämmt und sanktioniert.

Ein wenig wäre ja schon gewonnen, wenn viele Investment-Manager umschulen und in Zukunft ehrenwerter Arbeit statt Spekulation nachgingen? Auch sie selbst hätten dabei durchaus zu gewinnen, könnten ihren Nachbarn wieder in die Augen schauen und ihren Kindern Fragen nach ihrer Arbeit beantworten ohne zu lügen. 

  Wie viel aber wäre erst zu gewinnen gewesen, wenn wir all diese schon unübersichtlich werdenden Milliardensummen, die jetzt so locker von den Politikern locker gemacht werden, für sinnvolle Projekte wie Bildung, Entwicklungshilfe etwa im Sinne der Grameen-Bank aufgewendet hätten, für Umwelt- oder Arten- oder gar Kinderschutz? Nicht auszudenken, was für ein Segen über die Welt hereingebrochen wäre und den Terrorismus hätten wir über eine weltweite Bildungs- und Entwicklungshilfe-Offensive noch nebenbei und nachhaltig erledigt.

Aber scheinbar sind wir noch lange nicht so weit. Wie weit aber muss es mit uns noch kommen, damit wir endlich mehrheitlich kapieren, was mit uns und unserer Welt passiert?

Und natürlich liegt die Lösung wiederum nicht in der Projektion auf Politiker und Banker - fast jeder kennt ja auch ein paar nette und verantwortliche darunter. Wir haben selbstverständlich die Politiker und Banker, die wir verdienen. Also müssen wir uns entwickeln, um reif für ein besseres beziehungsweise menschlicheres System zu werden. Dazu gehört, dass wir unser Verhältnis zum Geld klären und nicht selbst gierig ein Spiel mitspielen, das wir in Wirklichkeit weder wollen noch verantworten können.

Am Geld hängt soviel und so viele hängen so sehr am Geld. Hier anzusetzen, ist zwar weniger angenehm, weil es sofort persönlich wird, aber gerade hier bieten sich beträchtliche Chancen persönlichen Wachstums. Mein kleines, wie zu dieser Krise verfasstes Buch „Die Psychologie des Geldes  -  Erfolgreicher und glücklicher mithilfe der Lebensgesetze“ bietet die Chance an Hand der eigenen Geldthemen auch gleich noch die Gesetze des Lebens zu lernen, um mit den Spielregeln in Zukunft mehr Spaß an all den Spielen zu haben, die hierzulande gespielt werden. Vor allem liegt darin auch die Chance, statt mit sich spielen zu lassen, aktiv und bewusst mitzuspielen. Wer allerdings nicht nur das Resonanzgesetz, das nie ein Secret (Geheimnis) war, versteht, das inzwischen schon die Spatzen von den Dächern pfeifen, sondern auch die Tiefe des Polaritätsgesetzes erfasst, wird sich hüten, das Geldspiel in der heute üblichen und gerade so übel zum Himmel stinkenden Form neuerlich zu beginnen. Dieses kleine Büchlein kann dabei helfen, sein Geld zu besitzen, statt von ihm besessen zu werden und zum Spielball niederer eigener und fremder Instinkte zu werden.

Geld war einmal ein wunder-voller Fortschritt für die sich entwickelnde Menschheit, es liegt nicht an ihm, sondern an unserem Umgang mit ihm, dass wir heute solche Probleme damit haben. Wir könnten es wieder zu einer Chance machen und auch zu unserer ganz persönlichen. Das wünsche ich Ihnen und freue mich, wenn die „Psychologie des Geldes“ ihnen dabei hilft.

Literatur: Ruediger Dahlke Die Psychologie des Geldes  -  Erfolgreicher und glücklicher mithilfe der Lebensgesetze (Buch und CD bei Nymphenburger)

Aus: DAHLKE-INFO vom 29. Oktober 2008