Kunstprodukte - am Beispiel der weiblichen Brust als Modellierobjekt

Der US-amerikanische Machbarkeitswahn hat neben Wirtschaft und Freizeit auch die Medizin erfasst und feiert hier eigentümliche Triumphe. Er bringt inzwischen die skurrilsten Stilblüten chirurgischer Kunst hervor. Männer lassen sich zunehmend „hübscher“ zurechtmachen, indem sie sich etwa einen Waschbrettbauch operieren lassen. Von anderen Stellen abgesaugtes Fett wird unter ein Goretexgerüst gespritzt und vermittelt auf die Entfernung den Eindruck einer festen Mitte. Fett vom Doppelkinn oder der Hüftspeck werden schon länger und immer häufiger abgesaugt. Ein fliehendes Kinn auf- und manche große Nase abgebaut.

Es wird alles in allem immer unpopulärer, sich mit seinem natürlichen Körper abzufinden. Nachdem wir längst gewöhnt sind, dass kaum ein(e) Schauspieler(in) seine (ihre) natürlichen Zähne zur Schau trägt, müssen wir nun vermehrt zur Kenntnis nehmen, dass auch die Gesichter zunehmend künstlicher werden. In den USA hat eine Minderheit von Modells eine Art Gewerkschaft gegründet, die damit wirbt, dass ihre Mitglieder noch nicht chirurgisch überarbeitet seien.

Auch wenn Männer ausgesprochen stark aufgeholt haben, bleiben aber Frauen doch an der Spitze der freiwilligen Opfer plastischer Chirurgie. Außer am Gesicht wird an keinem Organ so viel herumoperiert wie an ihren Brüsten. Sich hier als Mann einzumischen, ist heutzutage eine etwas heikle Angelegenheit, wie mir schon anlässlich der Bücher Buch „Frauen-Heil-Kunde“ und „Der Weg ins Leben“ klar(-gemacht) wurde, die ich zusammen mit meiner Frau und dem Gynäkologen Prof. Zahn geschrieben habe. Wir haben uns schließlich innerlich auf die Position geeinigt, dass Männer auch wieder zu richten hätten, was sie in der Vergangenheit verbockt haben. Wenn es um den Busen geht, hätten wir uns vielleicht noch mehr herauszuhalten, andererseits sind wir fast immer gemeint, wenn es um Veränderungen an Brüsten geht. Insofern mag es auch gerade hilfreich sein, dieses Thema aus männlicher Sicht zu erörtern, vielleicht wären gerade dadurch Eingriffe zu vermeiden.

In unseren Breiten lassen sich noch immer viele Frauen ihren vermeintlich zu großen Busen verkleinern, weil sie oder ihre jeweiligen Partner sich solch überschwänglicher Weiblichkeit nicht gewachsen fühlen. Beim Gegenteil, der Vergrößerung einer kleinen Brust - in den USA idealgemäß viel häufiger - zeigt sich der Versuch, wenigstens äußerlich das Bild einer mütterlich-mondigen Frau oder sogar einer Sex-bom-be abzugeben.

Das Reduzieren einer zu groß empfundenen Brust ist technisch einfach, aber nicht mehr rückgängig zu machen. Das aber wird nicht selten gewünscht, wenn die Frau innerlich nachgereift ist. Sie kann sich dann zwar einen großen Busen schneidern lassen, aber ihrem eigenen ursprünglichen wird er natürlich nicht entsprechen, vor allem nicht im Hinblick auf seine Sensibilität. Beim Operieren werden notgedrungen viele der feinen Nervenenden der Haut verletzt oder durchtrennt. Letztlich ist es aber die durch sie vermittelte Sensibilität, die für die Sinnlichkeit und das Lustempfinden entscheidend ist.

Bei den technisch viel aufwändigeren Brustvergrößerungen wurden früher und in Deutschland zum Teil bis heute Siliconkissen eingesetzt. Sie gerieten mit der Zeit leicht in Schieflage und führten oft zu scheußlichen Körperreaktionen, sodass diese Technik in den USA als führendem Land der kosmetischen Chirurgie wieder weitgehend verlassen wurde. Heute wird meist ein Plastikring, im Wesentlichen einem Schwimmreifen entsprechend, vom Bauchnabel aus bis unter die Brustknospe geschoben. Mit physiologischer Kochsalzlösung wird er anschließend auf die gewünschte Größe aufgepumpt. Dieses Verfahren verursacht äußerlich an der Brust keine Narben, und die Busengröße lässt sich nachträglich jederzeit verändern. Es soll Frauen geben, die sich ihre Busengröße mehrmals im Jahr verändern lassen mittels eines liegen bleibenden Dauerkatheters. Je nach beabsichtigter Wirkung lassen sich diese Opfer eines kollektiven Busenwahns von ihrem „Arzt“ „aufpumpen“ oder reduzieren.

Bei all diesen Operationen – unabhängig vom technischen Aufwand des Eingriffes - ist der äußere Schritt nur auf den ersten Blick einfacher als der entsprechende innere. Wesentlich ist auch hier der Inhalt, der die Form füllt. Operationen bleiben immer äußerlich und funktional. Selten mögen sie die innere Entwicklung fördern, häufig wird sich dadurch nur die Kluft zwischen innen und außen vergrößern und damit auch das Problem.

Wenn der Partner Angst vor dem Weiblichen hat, wird diese nicht bearbeitet, wenn sie ihre Brust verkleinern lässt. Wenn sie glaubt, nur mit ausladender Oberweite einen Mann zu bekommen, geschieht das mittels Operation doch nur unter gefälschten Voraussetzungen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie über diesen Weg findet, was sie letztlich sucht, einen wirklichen Partner, der sie meint. Auch wenn die Operation primär dem eigenen Selbst-wert-gefühl dienen mag, bleibt dieses doch solange erschlichen bis die Betroffene innerlich zur Größe ihrer Brust aufschließt.
Wie unnatürlich und daneben solche Eingriffe oft sind, zeigt sich über die reine Geschmacksebene hinaus in den Schwierigkeiten, die solche mit Wasser aufgepolsterten Brüste bei Temperaturextremen machen. In der Hitze des Sommers wird das Wasser in der Brust heiß, in der Kälte des Winters wird es die Brüste von innen auskühlen. Die freiwilligen Opfer solcher Eingriffe müssen folglich die Sonne wie die Kälte meiden, was den Sommer wie den Winter um einen großen Teil ihrer Faszination bringen kann.

In den USA hat sich noch eine medizinisch harmlosere Variante des „Herumdokterns“ an den Brüsten entwickelt. Auf dem Boden mentaler Suggestionen und Affirmationen wird versucht, hängendem Gewebe wieder Aufschwung und Spannung zu verleihen und Vorhandenes aufzubauschen. Auch dabei handelt es sich natürlich um Eingriffe, wenn auch "nur" in die Psyche. Die Kräfte des Unbewussten lassen sich für solche Spiele einspannen, nur sollte man sich darüber klar sein, dass alles zwei Seiten hat. Wie bei jeder kritiklosen Anwendung des so genannten "positiven Denkens" mit seinen Affirmationen liegt die Gefahr darin, jenen Teil von sich, den man nicht mag, zu verdrängen. Das aber ist die wirksamste Methode, Schatten zu produzieren. Mit jeder Suggestion eines makellosen Busens suggeriert sie sich auch, dass ihr natürlicher Busen und damit sie selbst nicht in Ordnung sei. Trotzdem wird die so errungene Busenerweiterung natürlicher sein und besser zu ihr passen als der chirurgisch herbeigezauberte. Auch wird die vergrößerte Brust natürlicher reagieren und im Gegensatz zu den Plastik- und Wasserbällen im Liegen und Stehen natürliche Formschwankungen aufweisen.

Die operative "Lösung" ist zwar der bekanntere, aber eigentlich der seltenere Schritt. Wie weit Korrekturen über seelische Wege möglich sind, zeigt das häufige Phänomen der allmählichen Korrektur unter dem Druck eines einschränkenden Umfeldes, in dem sich das Mädchen weder angenommen fühlen noch behaupten kann. Die Brust ist das einzige Organ, das bei der Geburt nicht mitgebracht wird, sondern sich erst entwickelt und das auch noch unter den Augen einer in der kritischen Pubertätszeit besonders heiklen Umwelt. Wenn ein heranwachsendes, mit schwachem Selbstbewusstsein ausgestatte-tes Mädchen für seinen großen Busen gehänselt wird, beginnt es, ihn zu verstecken. Was sich zuerst in momentanen Fehlhaltungen und seelischen Schmerzen äußert, wird mit der Zeit auch zu einem physischen Problem. Die sich häufig entwickelnde Haltung mit weit nach vorn gezogenen Schultern ist das genaue Gegenteil des Sich-brüstens. Das Verstecken der Brust aus Scham führt auf die Dauer zu Verspannungen und Verhärtungen im Schulter-Nackenbereich. Die Betroffene wird hartnäckig und krumm. Der Körper bildet ab, wie sie sich unter der Verhöhnung krümmt und unter den Nackenschlägen duckt. Sie kann nicht zu sich und ihrer Erscheinung stehen, verkriecht sich gleichsam im Stehen.

Ein weiteres häufiges Problem entsteht auf dem Boden der Abwertung des geschlechtlichen und Weiblichen an sich. Normalerweise ist das pubertierende Mädchen stolz auf seine wachsenden Brüste. Es neigt dazu, ihr Wachsen mit Ungeduld zu beobachten und sich Freundinnen gegenüber damit zu brüsten. Große volle Brüste werden aber nicht nur die männliche Umwelt, sondern u.U. auch das Mädchen selbst erregen. Die Brüste stehen gleichsam aufrecht und die Knospe beziehungsweise Mamille wird bei jeder Armbewegung und jedem schnelleren Gehen an der Kleidung gereizt. Wenn das Mädchen nun erfährt, dass sexuelle Erregung schlecht und unschicklich sei, oder eine reizende Erscheinung aufreizend und verdammenswert, wird es zu Enttäuschung neigen und sich hängen lassen, statt sich zu brüsten. Mit der Zeit aber wird es die eigentlich "schuldige" Brust hängen lassen, anstatt sie stolz und aufrecht vor sich her zu tragen. Das aber wird ihr später wiederum vorgeworfen, und sie wird es sich dann wahrscheinlich selbst auch vorwerfen. Eine "Hängebrust" gilt dann genauso als Schmach wie vorher das Gegenteil, ganz im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt, wo solch eine gelebte Brust dem Schönheitsideal reifer Frauen entspricht.

Nun soll hier nicht der Eindruck entstehen, als sei in diesem einen Fall die Umwelt schuld. Auch hier findet die Betroffene ihr Thema lediglich in der Umwelt gespiegelt. Die Lernaufgabe besteht darin, aus der Körpersprache die anstehenden Themen zu lesen. Demnach weist eine große Brust die Aufgabe zu, der solcherart verkörperten Weiblichkeit gerecht zu werden. Die kleine Brust verkörpert eine Situation, wo es offensichtlich nicht die primäre Lernaufgabe ist, zu demonstrativer Weiblichkeit zu stehen.

Alle Versuch, die Dinge funktional zurechtzurücken, bleiben solange zum Scheitern verurteilt, wie die Besitzerin nicht bereit ist, auch inhaltliche Schritte zu wagen. Der Erfolg jeder Schönheitsoperation chirurgischer oder mentaler Art hängt letztlich davon ab. Eine Frau mit ausladender Brust wird durch deren Teilamputation noch nicht zu dem knabenhaften Kumpel, den ihr (gestörter) Partner sich wünschen mag. Ebenso wenig macht der umgekehrte, operations-technisch aufwändigere Schritt noch keine Sexbombe aus ihr. Im Gegenteil, die vollständige Annahme des körperfremden Transplantates will auch seelisch erst bewältigt sein. Wenn das alles so einfach wäre, müsste der Einsatz von Lockenwicklern oder einer Dauerwelle aus einem Mauerblümchen eine wilde „ver-locken-de“ Frau machen oder das Antrainieren des Lotussitzes aus einem Körperakrobaten einen Erleuchteten.

Die Therapievorschläge und Lernhinweise, die in der eigenen Figur zum Ausdruck kommen, wären eigentlich leicht zu verstehen. Es liegt auch auf der Hand, dass es sinnvoller und leichter ist, den Partner zu wechseln als den Busen. Trotzdem ist frau nicht zufällig an einen Partner mit dem entsprechenden Problem geraten und müsste sich fragen, in wieweit sie eine Resonanz zu dessen Thema hat. Sie könnte ihr Problem in diesem Fall sinnvoller im Partner als ihrem Spiegel erkennen, als dann später an einer operativ nach seinen Wünschen „gestylten“ „Idealbrust“.
Interessanter Weise gehen die Einschätzungen darüber, welche Brust (und übrigens auch Figur), wem gefallen müsste, zwischen den Geschlechtern weit auseinander. Insofern wäre es für Frauen wichtig, wenn sie schon im Hinblick auf potentielle Partner Hand an Ihre Brust legen (lassen), sich zuvor wenigstens über die Wirkung der Brust auf den männlichen Gegenpol klar zu werden. Ansonsten drohen doppelt bittere Enttäuschungen.

Männliche Reaktionen auf verschiedene Brusttypen

Noch wichtiger als die Gestalt der Brust ist bezüglich ihrer Wirkung auf das früher für stark gehaltene Geschlecht der spielerische Einsatz derselben. Reizvoller als die nackt dargebotene Brust ist für viele männliche Wesen der Hinweis, dass sie sich einen offenherzigen Einblick verdienen könnten. In dieser Hinsicht werden rutschende Träger von ausgeschnittenen Kleidern und dergleichen auf ebenso geschickte wie (halb)bewusste Weise eingesetzt. Die Wirkung ist eine überwältigende. Kaum ein Mann kann sich der Magie eines langsam rutschenden Trägers entziehen. Mit dem Träger rutscht sein Intellekt langsam hinweg, und es eröffnen sich ganz andere Einsichten und Zugänge.

Alle Arten von Brustformen locken bestimmte Männer an, an den Extremen aber spiegeln sich natürlich die jeweiligen Typen besonders deutlich. Zu reifen Brüsten neigen eher reife Männer, aber auch die an ihrem Mamabild hängen gebliebenen Buben. An den kleinen mädchenhaften Knospen bei insgesamt knabenhafter Figur hängen mehr die unreifen Typen, die Angst vor erwachsenen Frauen haben und eigentlich eher einen guten Kumpel suchen. Ganz offensichtlich lieben Männer, die auf Mond und damit Mütterlichkeit stehen, große Brüste. Ihr Traum, in reifer Weiblichkeit zu versinken und gut genährt zu werden, kann daher rühren, dass sie nie wirklich losgekommen sind von der Mama und weist dann ebenso auf Unreife hin, wie im umgekehrten Fall, wo sie nie im Leben genug Mutter bekommen haben. Die Brüste als Symbol reifer Weiblichkeit stehen sowohl für Verständnis und bedingungslose (Mutter-)Liebe, wie auch für erotische Verlockung.
In Ihnen kommen die beiden wichtigsten weiblichen Archetypen Mond und Venus zusammen. Der Unterschied wird auf der Textilebene jedem spontan klar, zielt doch der Still-BH eindeutig auf das Baby und Mondprinzip und Spitzen Dessous auf den Partner und das Venusthema. Keine Frau würde hier Fehler machen und diese beiden Urprinzipien auf dieser Ebene verwechseln.
Die US-Cowboys z.B. brauchen in ihrer Bubenhaftigkeit die Fülle, die Erfüllung verheißt. Ihr Problem wird schon im Namen deutlich. Der Junge ist unreif und auf die Kuh, das klassische milchspendende Muttersymbol bezogen. Die Kuhjungen versuchen natürlich andauernd mit entsprechenden Spielen und Ritualen an ihre Männlichkeit heranzukommen, um damit - jedenfalls auf der Leinwand - kuhäugigen Blondinen, die ihre üppigen Brüste nur gerade so eben gezähmt bekommen, zu imponieren oder sie noch besser heroisch und photogen aus den Fängen des Bösen zu erretten.

Buben, die sich unter einer überbehütenden Mutter nicht entwickeln konnten, haben allerdings häufig auch Angst vor solchen Brüsten, fürchten manchmal geradezu zwischen ihnen zu ersticken, so wie damals ihre Lebensimpulse von der Mama erstickt wurden, die nicht zufällig in allen Sprachen genauso heißt wie die Brust auf Latein. Jede typische Mondfrau mag solche Buben-Männer an ihre frühkindliche Gefangenschaft erinnern. Kindmänner, die sich nur äußerlich von ihren Übermüttern gelöst haben, ekeln sich manchmal so vor übermächtigen Brüsten, in denen sie die eigene Mutter bekämpfen, dass sie entsprechend masochistische Partnerinnen zur Operation nötigen. Natürlich scheitert der Versuch, auf diesem Weg der Glucke zu entkommen. Dazu müsste er schon selbst etwas tun. Im anderen Fall versuchen sie, die Besitzerinnen dieser Brüste stellvertretend für die eigene Mutter niederzuringen.

Andererseits können große Brüste auch jene großen Buben im ersten Moment verschrecken, die sich dem Weiblichen einfach noch nicht gewachsen fühlen. Dabei würden sie schon mögen, wenn sie sich trauen täten.

Ewige Jünglinge stehen dagegen auf bedingungslose mütterliche Liebe an großen „Theken“. Sie sind im allgemeinen von ihren Müttern zu etwas ganz Besonderem „aufgebaut“ worden und wollen weiterhin entsprechend bewundert und verwöhnt werden. Und genau das erwarten sie sich bei reifer großzügiger Mütterlichkeit.

Natürlich kann frau mit jeder Brustform gut leben, wenn sie zu sich und ihren Brüsten steht, so wie man auch jede Brust lieben kann, wenn er die zugehörige Frau wirklich liebt. Auf Seiten der Frauen ist es im allgemeinen ein Problem des Selbstwertgefühls, das hier angesprochen wird und zu den angedeuteten medizinischen Aktionen führen kann. Letztlich entstehen all diese Probleme durch die Orientierung an der Umwelt und aus dem Vergleich mit Zeitgeistidealen.

In dieser Hinsicht mag es erhellend sein, sich klarzumachen, dass diese weitgehend von homosexuellen Männern bestimmt werden, weil die noch am ehesten in der männlichen Welt über Geschmack verfügen, und man etwas so Einträgliches wie das Modegeschäft nicht einfach den Frauen überlassen will. Die so entstehende Mode kann sogar sehr weiblich sein, aber eben eher aus einem Problembewusstsein zum Weiblichen heraus.

Wenn eine ganze Gesellschaft einem verschrobenen Ideal huldigt, wie die US-amerikanische dem Superbusen, hat sie insgesamt ein Problem und ihre Frauen werden dazu neigen, sich diesem Ideal mental oder chirurgisch zu beugen. Wenn das Ideal der ganzen Gesellschaft so abwegig ist, wird es für die Einzelwesen sehr schwer, zu sich und ihrem Typ zu stehen, wenn dieser im Widerspruch zum „Ideal“ steht. Andererseits frönt Hollywood gleichsam zum Ausgleich in letzter Zeit auch dem Gegenpol, der schlanken Ranken mit knabenhafter Figur, die keine ausladende Weiblichkeit ausstrahlt, sondern geradezu deren Verweigerung darstellt und dem Krankheitsbild der Pubertätsmagersucht nahe kommt.

Aufgrund der anderen gesellschaftlichen Verhältnisse können wir hoffen, dass uns in Europa vergleichbares extremistisches Elend erspart bleibt. Die US-Gesellschaft ist – wie die Betrachtung ihres Cowboy-(Kuhjungen-)ideals zeigt – im Kindlichen stecken geblieben. Von daher verweigern viele Mädchen den Schritt zum Erwachsen- beziehungsweise Frauwerden und erkennen sich in magersüchtigen Idealen wider, während es ihren Männern besonders nahe liegt es, sich zurück an den möglichst üppigen mütterlichen Busen zu sehnen. Das ältere und damit auch etwas reifere Europa hat dieses Problem zum Glück nur in abgeschwächtem Maße und kann sich so vielleicht auch die chirurgischen Possen weitgehend ersparen, sofern wir im Vorfeld erkennen, was für Illusionen und Gefahren damit verbunden sind. Andererseits ist die Sogwirkung des US-Vorbildes nicht zu unterschätzen wie wir an verschiedenen anderen Phänomenen erkennen. Da verdrängen die Schnell-Futtter-Plätze US-amerikanischer Ketten echte Esskultur und Kochkunst, und beginnen auch Europäer sich nach US-Vorbild aus Angst vor dem Tod zunehmend einfrieren zu lassen. Offensichtlich ist uns nichts zu blöd, wenn es aus Gottes eigenem Land kommt, wie die Amerikaner allen Ernstes ihre Heimat nennen.

Die Verwechslung von Quantität mit Qualität wird an wenigen Themen deutlicher. Der zurechtoperierte Busen ist eine bestenfalls schöne Hülle, bei der das Empfinden zu kurz kommt. Diesem Phänomen begegnen wir heute auf Schritt und Tritt. Auch Gemüse und Obst aus dem Treibhaus schauen wunderbar aus und schmecken nach nichts. Es bräuchte wenig, um sich klarzumachen, dass es beim Essen letztlich doch vor allem um den Geschmack geht, wie beim Sex um das Empfinden - ganz zu schweigen von der Liebe in diesem Zusammenhang.
Wo wir Quantität und Qualität nicht wieder gleichberechtigt nebeneinander stellen, werden wir uns nicht nur um die schönsten Genüsse des Lebens bringen, wir laufen auch Gefahr, in der Quantität gänzlich zu ersticken. Das können US-Superbusen in entsprechenden extra für den Extremgeschmack kreierten Magazinen auf geradezu makabere Weise andeuten.

Die Sehnsucht vieler Männer, in reifer weicher Weiblichkeit zu versinken, ist dabei eigentlich eine gesunde Reaktion, die sogar stärker werden müsste in einer Zeit, die nur noch harte Fakten und gnadenlose Effizienz kennt. Wir bräuchten wieder Anerkennung und sogar Verehrung für das Weibliche in seiner natürlichen Art und Form – und das bezieht sich nicht nur auf die konkreten Frauen, sondern auf diese ganze, so sehr unter der brutalen Knechtschaft des übertriebenen männlichen Yang leidende Welt.

Einfach auf Teufel komm raus am Außen herumzubasteln, ist jedenfalls für keines unserer und der Probleme dieser Welt eine Lösung. Wir könnten das durchschauen, bevor wir uns verstümmeln lassen und bevor wir die Welt nach unseren Vorstellungen zu Grunde richten.

Literatur
• Margit und Ruediger Dahlke, Volker Zahn: Frauen-Heil-Kunde
• Ruediger Dahlke :Woran krankt die Welt? Moderne Mythen gefährden unsere Zukunft

Aus: DAHLKE-INFO No. 02/03